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Sonntag, 25. Oktober 2009

Wieviel Freiheit verträgt der Mensch?


Folgender Artikel stellt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und soll lediglich als Diskussionsgrundlage dienen. Der Artikel spiegelt einzig und allein die Meinung des Verfassers wieder.

Forderungen nach Freiheit sind tagtäglich und überall zu finden, Wünsche nach Freiheit zu sagen was man möchte, Unmutsbekundungen über Freiheitsbeschneidungen durch Überwachung und Eingriffe in die Privatsphäre. Doch was ist Freiheit wirklich?

Freiheit (lateinisch libertas) wird in der Regel verstanden als die Möglichkeit, ohne Zwang zwischen verschiedenen Alternativen auswählen und entscheiden zu können. Der Begriff benennt allgemein einen Zustand der Autonomie eines handelnden Subjekts. Soweit die fachliche Erklärung des Begriffes. Freiheit ist jedoch meist eine subjektive Auslegung bestehender Verhältnisse und Einflüsse um einen herum, der eine fühlt sich frei wenn sein Chef ihn mal nicht anmault, der andere fühlt sich frei, wenn er mit Tempo 160 über die Autobahn heizen kann.

Nehmen wir zuerst die Utopie der absoluten Freiheit unter die Lupe: die Vorzüge einer absoluten Freiheit sind leicht ersichtlich, jeder kann tun und lassen was er will, zum eigenen Vorteil, zum Nachteil anderer oder andersherum. Keine Grenzen, keine Einschränkungen, keine Strafen, keine Gesetze, die das Zusammenleben unzähliger Menschen in geordnete Bahnen lenken. Super, möge man jetzt sagen - und vergisst zugleich die negativen Auswirkungen dieser Utopie. Denn wenn jeder tun und lassen kann was er will und alleinig die Entscheidung und der Willen des Einzelnen das Geschehen bestimmt, haben wir ergo 80 Millionen einzelne Meinungen, die alle etwas anderes wollen, etwas anderes als gut oder schlecht empfinden, das nachfolgende Chaos ist leicht vorstellbar. In der absoluten Freiheit, von der viele träumen mögen, hat nun Person A folgerichtig das Recht aus seinem Freiheitsempfinden heraus, ihr Auto zu nehmen, ihre Wohnung in Brand zu setzen und ihre Habseeligkeiten zu plündern , denn es ist ja seine Freiheit dies zu tun. Sollten sie den Mut besitzen und Person A ihr Auto und ihre Habseeligkeiten wieder abzunehmen, werden sie bereits an der nächsten Ecke die Freiheit von Person B, C und D zu spüren bekommen, die ebenfalls ihre absolute Freiheit ausleben und zu gerne ihre Besitztümer hätten. Wir sehen, eine absolute Freiheit basiert auf dem Recht des Stärkeren und benachteiligt somit jene, die zwangsläufig den schwächeren Part übernehmen müssten. Somit würde in unserem Fall die von Person A,B und C ausgeplünderte Person zunächst nach Sicherheit vor eben jenen streben. Hiermit findet die absolute Freiheit ihre Grenzen am Sicherheitsbedürfnis eines jeden Individuums.

Daraus folgt die Erkenntnis, das menschliche Freiheit stets im Widerspruch mit dem Grundbedürfnis nach Sicherheit steht. Jeder Mensch will frei sein, doch auch jeder Mensch hat nach der Befriedigung seines vordergründigen Grundbedürfnisses (Essen,Trinken,Schlafen) das Bedürfnis nach Sicherheit. In einer absoluten Freiheit gibt es nichts und niemanden, der einem diese gewünschte Sicherheit geben könnte, keine Gesetze, keine Normen...nichts...Dem verlockenden Ruf nach absoluter Freiheit würde alsbald der Kampf ums tägliche Überleben folgen. Dies mag der Grund sein, warum jede Zivilisation Regeln, Werte und Normen aufgestellt hat, um eben jenes Zusammenleben von Millionen Menschen zu regeln, ohne das dies an jeder Straßenecke in Massakern endet. Halten wir fest, eine absolute Freiheit ist aufgrund menschlicher Charakterzüge und Schlechtigkeiten (seien sie ehrlich, wenn sie könnten wie man wolllten, wären auch sie kein Engel) , sowie bestehender biologischer Konstitutionen (Überlebenstrieb) nicht möglich, eine jede Zivilisation gestaltet sich Regeln und Werte um eben jene persönliche Freiheit in Bahnen zu lenken und Schaden abzuwenden, kurzum die benötigte Sicherheit für eine gelebte Freiheit zu bieten, nennen wir diesen Zustand die ideale Freiheit. Persönliche Freiheit des Einzelnen, geschützt durch eine umhüllende Sicherheit, vorzugsweise des Staates.

Doch betrachten wir den Fakt, den wir allgegenwärtig haben: einen Missbrauch der Gestaltung zivilisatorischer Normen, eine Gesetzesgebung von Regierungen, die die Freiheit einzelner beschneidet, eine persönliche Freiheit die längst keine mehr ist. Die Freiheit stirbt hier mit Sicherheit, hinter jeder Videokamera, hinter jedem Richter, hinter jedem Gesetz, das die Herrschenden zu ihrer Sicherheit hervorgebracht haben. In den Zeichen dieser Zeit finden wir eine komplette Verkehrung der idealen Freiheit, im Namen der Sicherheit werden persönliche Rechte auf ein Minimum verstümmelt, Freiheit wird überwacht, Menschen zu Terroristen deklariert und es darf nunmal nicht sein, was nicht sein darf.

Der demokratische Missbrauch des Freiheitsbegriffes mündet in Gummiparagraphen, einseitiger Gesetzgebungen und in der Freiheit der Herrschenden. Die der Bevölkerung verbleibenden Überreste der Freiheit sind die Freiheit des Konsumes, zwischen Pest und Cholera zu wählen und eine Meinigsäußerung hinter vorgehaltener Hand, eingepfercht in eine Sicherheit, die uns nur zusichert, das wir dem Volkstod erliegen. Das bestehende System kann seinem Volk keine wirtschaftliche und soziale Sicherheit mehr geben, Massenarbeitslosigkeit, sozialer Verfall, Wirtschaftskrisen und Finanzcrashs, ständige Kürzungen von Sozialleistungen und die Abhängigkeit von EU, Nato etc sind alles was sie hervorgebracht haben.

Doch wie sieht die Alternative aus? Eine absolute Freiheit lebt immer auf Kosten anderer und ist für eine hoch entwickelte Gesellschaft nicht tragbar. Eine Freiheit, wie sie uns von den Demokraten vorgesetzt wird, ist in ihrer Verkehrung des Sicherheits - und Freiheitsbegriffes ebenso wenig erstrebenswert. In der erstrebten Systemform hat der Staat, die vom Bürger gewünschte Sicherheit zu bieten, er hat Gesetze und Regelungen so zu konstituieren, das dem Volke in allen Lebenslagen der größtmögliche wirtschaftliche und soziale Schutz zu Gute kommt und im gleichen Atemzug die persönliche Freiheit eines jeden Bürgers grundlegend geschützt wird. Der Staat hat Helfer und Unterstützer seines Volkes zu sein, Gesetzesgebungen dürfen sich nicht gegen das eigene Volk wenden, der Fortbestand und die Weiterentwicklung eben jenes Volkes sind die höchste Aufgabe des Staates. Persönlichkeitsrechte werden nicht mehr beschnitten, Meinungsäußerungen können ohne Angst vor Repression und Verfolgung getätigt werden, denn eine Regierung sollte ihr Volk fürchten und nicht wie in den heutigen Zeiten andersherum. Das Volk ist das höchste Gut, dem der Staat die größtmögliche Sicherheit zu geben hat. Und nur der Sicherheit, die das neue System bietet, kann eine wirkliche ideale Freiheit entspringen. Und das neue System heißt : NATIONALER SOZIALISMUS !


Mittwoch, 21. Oktober 2009

Nichts hören-nichts sehen-nichts sagen? Das deutsche Volk - QUO VADIS?



Folgender Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich der Auseinandersetzung mit der Thematik dienen und Diskussionsansätze bieten. Der Artikel spiegelt einzig und alleine die Meinung des Verfassers wieder.

Es ist unübersehbar, das sich das System der Demokraten in diesen Zeiten im Niedergang befindet. Mag es das Endprodukt handlungsunfähiger Politiker sein , die Frage nach dem "Wie weiter?" steht allenthalben im Raum. Angesichts des fortschreitenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verfalles, ist die Frage nach einer heilbringenden Lösung allgegenwärtig, zumindest für jene Menschen, die aus dem BRD-Koma erwacht sind und sich der Realität stellen.

Natürlich könnte man der allgemeinen Lethargie angesichts täglich neuer Schreckensmeldungen verfallen und den Kopf in den Sand des Ignorierens und Probleme aussitzens stecken, doch wäre dies ein nicht ein Eingeständnis an die herrschenden Zustände, ein "JA" -Sagen und jene stille Zustimmung auf derer sich die Macht der Demokraten stützt? Eine Diskussion um die erstrebte und anvisierte Form der notwendigen Veränderung, nämlich die des nationalen Sozialismus wollen wir an dieser Stelle nicht führen, es soll in diesem Fall um jene Menschen gehen, die die geforderten Veränderungen herbei führen können, jene, die ihre Zukunft in den Händen halten und es doch noch nicht wissen...das deutsche Volk.

Seien wir relistisch und schauen uns eben jenes deutsche Volk im aktuellen Zustand an: eine gehirngewaschene Masse, die blindlinks den Worten der Herrschenden glaubt, denn ihrer Meinung nach werden die "da oben" schon wissen was sie tun. Widerworte und Protest gibt es allenfalls am Stammtisch oder im kleinen Kreise, öffentliche Meinungsäußerungen und Kritik am System sind so selten wie Schnee im Hochsommer. Der Unmut im Volke gärt, die Menschen sind weder blind noch dumm, doch fehlt ihnen das Ventil und die Legitimation sich gegen bestehendes Unrecht auszusprechen, das sie zwar erkennen, eine Auflehnung gegen selbiges aber scheuen.

Doch gehen wir mit dem deutschen Volk nicht zu hart ins Gericht, die derzeitigen Zustände sind das Ergebnis jahrzehntelanger Umerziehung und absichtlicher Schwächung des Volkskörpers. Schon alleine das Wort "Volk" ruft in Folge eben jener Umerziehung und Demokratisierung Abscheu hervor - wie kann es sein, das sich Menschen zusammengehörig fühlen? In Zeiten des indoktrinierten Liberalismus, wo sich jeder der nächste ist und Egoismus der Leistungssport der Moderne, ist das Gefühl von Gemeinsamkeit und Zusammenhalt verpönt. Man mag dem Einzelnen zwar die Vorzüge und Vorteile des auf sich selbst bezogenen Handelns preisen, doch so bleibt der Mensch tief in seinem Inneren stets ein Herdentier, das die Gemeinschaft anderer sucht und ohne sie ein Gefühl der Unvollständigkeit eintritt. Demokraten können reden, schwatzen und lügen, über die Naturgesetze können sie sich nicht hinweg setzen. Und so bleibt im tieftsen Inneren eines jeden Deutschen die stetige Suche nach Zugehörigkeit und Zusammenleben.

"Alle Menschen sind gleich" hört man jene Demokraten gerne tönen, doch auch hier können Naturgesetze nicht außer Kraft gesetzt werden. Schon alleine die genetischen und entwicklungsgeschichtlichen Unterschiede können nicht verleugnet werden und machen jeden Menschen einzigartig. Die demokratische Gleichmacherei ist das Mittel zur Auflösung des deutschen Volkskörpers, indem sie unter eben jenen Worten alle Bewohner Deutschlands zu einem "Volk" deklarieren.Das Volk ist die größte organisch gewachsene Gemeinschaft von Menschen. Es hat sich in Jahrtausenden durch Raum, Erbgesetz, Sprache und Kultur zu seiner Einheitlichkeit entwickelt und dessen sind sich Volksangehörige auch unauslöschbar tief im Inneren stets bewusst. Jeder Mensch, jeder Angehörige eines Volkes erkennt die vorhandenen Eigenheiten und Eigenschaften seiner Herkunft und grenzt sich psychologisch unterbewusst oder bewusst von anderen Völkern ab. Diese Bejahung der Unterschiede, das Erkennen des eigenen Selbst durchlebt jeder Mensch im Kindesalter, wenn er sein Spiegelbild als sich selbst identifiziert und sich so seiner selbst bewusst wird, eine nachfolgende Abgrenzung zu anderen Individuen ist eine logische Konsequenz. Dies ist den Demokraten selbstverständlich ein Dorn im Auge, ist doch ein einheitlicher Menschenbrei leichter zu führen als sich ihrer selbst bewussten Volksangehörigen und so reden und reden sie von Gleichheit, die schon rein wissenschaftlich niemals zu erreichen ist.

Nun, wie wir sehen, ist sich jeder Mensch seit dem Kindesalter an seiner selbst bewusst und grenzt sich von anderen als natürliche Reaktion ab, ergo weiß auch jeder Volksdeutsche tief im Inneren um seine Zugehörigkeit. Das jene Erkenntnis um Zugehörigkeit und dem daraus resultierenden Stolz, Teil eines großen Ganzen zu sein, zu einem verbindenden Gefühl der Zusammengehörigkeit führt, ist die Konsequenz.

Eben jene Konsequenz einer starken und wehrfähigen Gemeinschaft, haben unsere Demokraten in den letzten Jahrzehnten mit Kalkül zerstört, indem sie dem Volk eintrichterten das eine Gemeinschaft keinen Wert besäße, das Solidarität und Miteinander einer kalten und egoistischen Ich-Sucht zu weichen hätten, das die Zugehörigkeit zum Volk eine Schande sei. Denn das deutsche Volk, jeden mündigen Bürger, fürchten sie, ist es doch alleinig das Volk, das Veränderungen herbei führen kann, bestehende Missstände beseitigen kann.

Das deutsche Volk hat es nicht anders gelehrt bekommen, als nichts zu hören, nichts zu sagen und nichts zu sehen, könnte man jetzt sagen und sich somit aus der Verantwortung ziehen. Doch gerade diese Verantwortung hat man uns, nennen wir es "wegtrainiert". Verantwortung uns selbst gegenüber, Verantwortung anderen gegenüber, Verantwortung unserem Land gegenüber. Psychologisch gesehen, ist es für den Menschen stets schwierig Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen, wird er doch hierbei mit seinen Fehlern und Schwächen konfrontiert. Ergo versteckt sich der Einzelne lieber in der breiten Masse und übergibt die Verantwortung anderen, um der eigenen Angst um Schwäche und Versagen zu entkommen. Dies ist eines der Hauptgründe, warum Menschen, angesichts verheerender Zustände und drohenden Unheiles immer noch schweigen und zustimmen. Fast jeder Deutsche weiß um die Wirtschaftskrise, jeder Arbeitslose weiß um seine schwindende Existenz, jeder des Denkens fähige Mensch erkennt das Versagen und die Ausbeutung der Demokraten - doch sie bleiben still, weil die Last der Verantwortung, der Entscheidung und des möglichen Scheiterns wie ein Strick um ihren Hals liegt. Doch nur wer Verantwortung für sich und andere übernimmt, kann Entscheidungen treffen die in eine bessere Zukunft führen. So schnell wie der Liberalismus kam, so schnell kann er wieder verschwinden, wenn sich der Einzelne nicht vor der Verantwortung scheut und das Volk nicht zum Versteckspielen missbraucht.

Da Menschen jedoch Herdentiere sind, wird es jene brauchen die vorran gehen und zeigen das Verantwortung für ein ganzes Volk eine Herausforderung und kein Fluch ist, jene Menschen die den Lügen der demokratischen Medien und der Herrschenden trotzen, weil sie um ihre Zugehörigkeit, um ihre Gemeinschaft wissen. Wenn zunächst auch nur Wenige erkennen, das es keine Schande ist, selbiges zu vertreten, sich von der Kette der Fremdbestimmmung zu lösen und das Demokraten auch nicht allmächtig sind, dann werden die anderen folgen. Das deutsche Volk ist nicht unfähig, nicht willenlos und nicht so kaputt wie es die Herren und Damen in Berlin gerne hätten.Das deutsche Volk hat eine Stimme - auch wenn diese noch leise ist, wenn es sich der auferlegten Dogmen der Demokraten entledigt hat und sich seiner in sich schlummernden Werte bewusst wird, wird sie lauter schallen als je zuvor.

SCHEUT NICHT DIE VERANTWORTUNG -
SCHEUT EINZIG UND ALLEIN DIE ANBIEDERUNG AN BESTEHENDES UNRECHT!


Freitag, 2. Oktober 2009

Alternativen zum Kapitalismus? Teil 2




Autor: Reiner Bischoff

Fehlerhaftes Geldsystem - Grundursache der heutigen Weltprobleme

Ein allgewaltiger Moloch hat die Welt heute fest im Griff und droht sie endgültig zu zermalmen: der allbekannte Kapitalismus. Die ärgsten Bedrängnisse unserer Zeit - Naturausplünderung; Überreichtum einiger weniger neben Massenarmut; Massenarbeitslosigkeit; Krise der Sozialsysteme; Überschuldungen; immerfortige Kriege; Absterben der Völker- und Kulturenvielfalt; US-Imperialismus; usw. - sind im wesentlichen sein Werk.

Um Mißverständnisse von vornherein auszuschließen: Der Kommunismus ist und war niemals ein rettendes Gegenprogramm! Deshalb: Westlicher Konzernkapitalismus und einstiger Staatskapitalismus (Marxismus-Kommunismus) sind in Wahrheit nahverwandte, nämlich monopolistische und wettbewerbsfeindliche Systeme: Der letztere ist dem ersteren in Sachen Zentralisierung und Enteignung lediglich eine gewisse Wegstrecke voraus. Scharf unterscheiden jedoch muß man zwischen Kapitalismus einerseits und Markt- bzw. Wettbewerbswirtschaft andererseits - obwohl in den meisten ökonomischen Fachbüchern unbegreiflicherweise beide noch miteinander gleichgesetzt werden. Tatsächlich aber stehen sie sich als genaue Antipoden gegenüber, als falsch oder richtig bzw. als lebenszerstörend oder lebenserhaltend.

Was ist wahre Marktwirtschaft? Sie ist eine Grundvoraussetzung gesellschaftlicher Freiheit. Um allgemein Bekanntes zu wiederholen: Sie kennzeichnet sich durch selbststeuernde Regelmechanismen (das freie Spiel von Angebot und Nachfrage, demzufolge Preisfreiheit), durch weitgehende Planungsfreiheit des Unternehmers - dies alles aber im Rahmen eines staatlich vorgegebenen strengen Verhaltenskodex. Sie läßt sich am besten mit einem sportlichen Wettstreit vergleichen, wo der einzelne sein ganzes Können entfalten kann - sich aber an die Spielregeln halten muß.

Was aber ist Kapitalismus? Zunächst muß man ihn als den Todfeind der Marktwirtschaft bezeichnen. Schon bald nach der Währungsreform, nach 1948, zeigte sich das, trotz Ludwig Erhards Gegenwehr, von neuem. Und in den 80er Jahren deckte eine von der Bundesregierung eingesetzte fünfköpfige Monopolkommission katastrophale Zustände auf. Der Spiegel berichtete damals (49/1986): "Was dabei herauskam, ist das Bild einer von Oligopolen geprägten Wirtschaft - eines Systems, in dem wenige Marktführer Preise und Produkte festlegen. - In weiten Teilen der Wirtschaft bestreiten jeweils die drei größten Unternehmen mehr als 60 Prozent der Produktion ... In der Mediensparte wird sich die Konzentration noch beschleunigen ... Die Aufkäufer haben Hochkonjunktur ... Noch nie kam die Unternehmenskonzentration so flott voran ... Quer durch alle Wirtschaftsbereiche ... ist das große Fressen in vollem Gange." Nach dem Aufkauf lasse die Leistungsfähigkeit der Firmen meist nach: "Die Einbindung in einen größeren Konzernverband bedeutet eben: weniger Beweglicheit, längere Entscheidungswege und mehr Administration ... Kleinere Unternehmen, so geht aus den Statistiken der deutschen Monopolkommission hervor, arbeiten effizienter." Der Wettbewerb werde immer mehr zurückgedrängt, was zu bedauern sei, denn: "Wo die ökonomische Verfügungsgewalt auf einige Dutzend Spitzenmanager aus Banken, Handelsunternehmen und Produktionsbetrieben konzentriert ist, da wächst eine zu starke Gegenmacht zu den staatlichen Organen; da regieren am Ende Leute, deren Herrschaft kaum kontrolliert ist ... Demokratie und Wettbewerbswirtschaft bedingen einander ... Eine kleine Kaste vorwiegend angestellter Manager, mittendrin die Herren des großen Geldes, regiert über das westdeutsche Firmen-Konglomerat. Diese Gilde aus dem Geldwesen und dem Gewerbe sorgt dafür, daß der Konkurrenzdruck nicht allzu lästig wird ... Es sind nicht viele, die in den oberen Zirkeln mitreden dürfen. Stets fallen, wenn es um Wichtigeres geht, die gleichen Namen. Auf rund 100 schätzen Kenner den Kreis dieser Wirtschaftsführer." Der einstige Kartellamtschef Wolfgang Kartte kam deshalb zu dem Urteil (Spiegel, 46/1989): "Den Rubikon zwischen der Marktwirtschaft Ludwig Erhards und einer von Gruppeninteressen beeinflußten Industriegesellschaft haben wir längst überschritten. Wir leben heute in einem gemischtwirtschaftlichen System. Wirtschaftliche Macht gab es auch damals, aber sie konzentriert sich immer mehr auf immer weniger Akteure." Und seither, insbesondere nach Erichtung der EU, haben sich diese "Konzentration auf immer weniger Akteure", die Firmenfusionen, die Pleiten (vor allem bei mittelständischen Betrieben), kurzum: die Ausschaltung des freien Wettbewerbs, beschleunigt fortgesetzt.

Was also ist Kapitalismus? Zunächst: Was ist Kapital? Befragt man hierzu die Lexika, stößt man auf eine krause Fülle von Angaben. Doch auch durchaus Richtiges befindet sich darunter. Z.B. schreibt der Große Brockhaus (1997) unter dem Stichwort Kapital ganz unzweideutig: "Ursprünglich Bezeichnung für eine zum Ausleihen bestimmte und Zinsertrag versprechende Geldsumme." Daraus ergibt sich zwingend, daß Kapitalismus nichts anderes ist - als Zinswirtschaft. Wenn aber im selben Absatz einige Zeilen weiter der Satz folgt: "Heute ist Kapital allgemein der Bestand einer Volkswirtschaft an sachlichen Produktionsmitteln", so ist das zwar nicht falsch, aber unvollständig. Denn Sachkapital - teils mit eigenen Mitteln erstanden, vor allem aber mit zinsheischenden Bankdarlehen finanziert - muß gleichfalls einen "Zinsertrag" abwerfen, weil andernfalls das betreffende Unternehmen in Kürze bankrott wäre. jeweils erbrachten Leistung. Das ist seit Jahrhunderten, ja seit Tausenden von Jahren so. Es ist zudem ein Mißverhältnis, das sich laufend verschärft. In der Bundesrepublik z.B. gab es laut Spiegel (40/1997; 50/2002) im Jahr 1980 rund 67.000 (DM-) Vermögensmillionäre (ohne Immobilienbesitz); 1993 waren es bereits 131.000; und 2002 hatte ihre Zahl, trotz einer sich verschlimmernden Wirtschaftskrise, schier unglaubliche 365 000 erreicht. Spiegelbildlich dazu aber vermehrte sich die Zahl der Es gilt also, meine ich, unwiderleglich: Kapitalismus ist Zinswirtschaft (auch Börsenwirtschaft). Und wegen dieser Zins- und Renditepflichtigkeit des Geldes ist die Marktwirtschaft - sind auch alle anderen Gesellschafts- und Lebensbereiche - einem letztlich tödlichen Würgegriff ausgeliefert. Der Zins setzt nämlich mehrere Fehlentwicklungen in Gang:

Erstens löst er eine ungerechtfertigte Vermögensumverteilung aus. Das zeigt sich am deutlichsten bei der Aufspaltung einer jeden Gesellschaft in reich und arm, und zwar weitgehend unabhängig von der Sozialhilfeempfänger: 1980: 922.000 Personen; 1995: 2.269.000. Hierzu eine weitere, jüngere Pressemeldung: "Viele Verbraucher in Deutschland haben immer weniger Geld zur Verfügung ... Fast jeder zweite Haushalt hat unter 100 Euro zur freien Verfügung." (Stuttgarter Nachrichten, 9.9.2003). Auch zwischen den Ländern, ja zwischen ganzen Kontinenten, öffnet sich bekanntlich eine immer breitere Wohlstandskluft. Man erinnere sich hierzu an die Aussagen von J. G. Speth, Chef des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (DIE ZEIT, 13.6.1997): "Der Besitz von 358 Milliardären ist genausohoch wie das Jahreseinkommen von rund der Hälfte der Weltbevölkerung ... Die Kluft zwischen den ärmsten zwanzig Prozent der Menschheit und den reichsten zwanzig Prozent hat sich seit 1960 mehr als verdoppelt, und zwar von 30 zu 1 auf 78 zu 1." Solch krasse Auseinanderentwicklungen haben sicherlich viele Ursachen: Unterschiedlich hohe Gehälter, ungerechte Steuern, Bildungsunterschiede, historisch bedingte Rückständigkeiten usw. Die ausschlaggebende Rolle aber dürfte hier ein selbsttätiger Umverteilungsmechanismus spielen: eben der Zins. Er bewirkt eine unaufhörliche Geldvermögensumschichtung von der Arbeit zum Besitz. Die Geldvermögen sind nämlich überall sehr ungleich verteilt. Laut Michael Müller, stellvertretendem SPD-Fraktionsvorsitzenden, haben in Deutschland 0,5 Prozent der Bevölkerung 25 Prozent der Geldvermögen inne (Spiegel, 50/2002). Nun aber gilt: Wer viel zins- und dividendenbringendes Kapital sein eigen nennt, wird allein dadurch immer reicher - auf Kosten der arbeitenden Mehrheit.

Das läuft nach denselben Regeln ab, wie man es vom Gesellschaftsspiel Monopoly her kennt: Am Schluß bleibt, nach Ausraubung der anderen Mitspieler, nur noch ein einziger Superkapitalist übrig. Dazu Heiner Flassbeck, jahrelang Direktor beim DIW, später Staatssekretär unter dem damaligen Finanzminister Lafontaine (Spiegel, 31/1998): "Es sind die Vermögen - Geld, Immobilien, Wertpapiere, ob ererbt oder an der Börse verdient - , die eine ungleiche Verteilung beschleunigen." Aus der Monopol- und Machtstellung, wozu reichlicher Geldbesitz allzuoft verhilft, ergeben sich zudem viele weitere Möglichkeiten der Besitz- und Einflußvergrößerung.

Zinsen sind bisher reichlich angefallen. Für das Jahr 2001 nennt der Spiegel (33/2002), bezogen allein auf die Privathaushalte, 180 Mrd. Euro, also 352 Mrd. DM (übrigens: Die Deutsche Bundesbank führt weit höhere Zinseinkünfte an). Zählt man die Einkommen aus Sachvermögen (was auch Bodenbesitz einschließt) hinzu, dürfte sich im genannten Jahr die leistungslose Bereicherung aus Zins- , Grundrenten- , Dividenden- und Börsengewinnen auf schätzungsweise 500 Mrd. DM vermehrt haben. Wohlgemerkt: Solch ein Geldsegen kommt vor allem einer ohnehin schon überreichen Minderheit zugute! Und erarbeitet hat ihn die große Mehrheit! Man beachte auch: Den wenigsten ist bewußt, daß sie Zinsen zahlen, auch wenn sie keine Schulden haben, nämlich in den Steuern (Zinsen für die Staatsschulden), hauptsächlich aber bei den täglichen Einkäufen: Denn in allen Preisen sind Zinsanteile versteckt, durchschnittlich etwa 30 Prozent - sie rühren von der Unternehmensverschuldung her, auch von der Verzinsung des Eigenkapitals. Zweitens: Noch weit schlimmer ist, was leider die wenigsten wissen, die vorwärtspeitschende Rolle, die der Zins in der Gesellschaft spielt. Wenn alle Welt wünscht, daß die Wirtschaft immerfort wachse, dann nicht so sehr deshalb, weil man angeblich nach noch mehr Wohlstand giert, sondern weil wir ansonsten in schlimmste wirtschaftliche Schwierigkeiten hineingeraten. Darum nimmt man lieber die beispiellose Naturausplünderung in Kauf, die mit einem wirtschaftlichen Dauerwachstum einhergeht. Offensichtlich liegt hier ein Sachzwang vor. Denn noch immer gilt, was 1980 der damalige Finanzminister Hans Matthöfer gesagt hat und was sich gerade in unseren Tagen auf schlimmste Weise bewahrheitet: "Unsere Wirtschaft ist auf niedrigeres oder gar 'Nullwachstum' nicht eingestellt, Wachstumsstillstand bedeutet Massenarbeitslosigkeit und damit den katastrophalen wirtschaftlichen Zusammenbruch der Bundesrepublik Deutschland."

Ärgerlich aber ist, daß sich offensichtlich niemand Gedanken darüber macht, warum das so ist. Sonst würde man entdecken, daß auch hier der Zins eine unheilvolle Rolle spielt, diesmal eine antreibende. Auf die Weise: Vor allem zinseszinsbedingt gehen die Geldvermögen unablässig in die Höhe. In der Bundesrepublik haben sie sich (bei Privataushalten, Unternehmen, Staat) so vermehrt: 1950: 66 Mrd. DM; 1960: 337 Mrd. DM; 1970: 926 Mrd. DM; 1980: 2.390 Mrd. DM; 1995: 8.067 Mrd. DM; 2000: 11.943 Mrd. DM. Es ist zum größeren Teil ein Wachstum aus sich heraus, nach dem Prinzip des Zinseszinses, weil die meisten Anleger, vor allem die Reicheren, ihre Zinseinkünfte auf den Guthabenkonten stehenlassen, sie also nicht konsumieren, so daß daraus zusätzliches zinsbringendes Kapital wird. Der ehemalige Herausgeber der Wirtschaftswoche, Wolfram Engels, schrieb hierzu: "Ein weiteres Paradoxon ist die Beobachtung, daß aus Kapitaleinkünften mehr gespart wird als aus Arbeitseinkommen." (Der Kapitalismus und seine Krisen. 1996, S. 69)

Die wachsenden Geldvermögen haben aber eine sehr unschöne Kehrseite: Weil sie, um Zinsen einzubringen, im Regelfall angelegt sind, vergrößert sich spiegelbildlich zu ihrem Zuwachs auch die Gesamtverschuldung - bei den Privathaushalten, beim Staat, vor allem aber bei der Wirtschaft. Um die damit verknüpften Zinsverpflichtungen erfüllen zu können, müssen dann die Unternehmen, insgesamt betrachtet, ihre Gütererzeugung immerfort ausweiten. Der Mechanismus des Zinseszinses erlegt der Wirtschaft eines jeden Landes somit einen unausweichlichen und immerfortigen Zwang zum Wachstum auf - bei Strafe des Untergangs. Hauptsächlich daher rührt die beispiellose Waren- und Reklameüberflutung unserer Tage, auch das früher kaum bekannte Problem riesiger Müllanhäufungen.

Eine schlimme Folgenkette entsteht: Absatznöte - Verdrängungs-"Wettbewerb" - Rationalisierungszwang (mit Freisetzung Abertausender von Mitarbeitern) - Überleben vor allem der kapitalstärkeren Firmen - Auslöschung der altüberlieferten kleinräumigen Wirtschafts- und Kulturformen - Vordringen gleichmacherischer Großstrukturen - Globalisierung - Imperialismus - USWeltherrschaftsstreben. Mit dem Verschwinden der Kleinräumigkeit und dem Verlust bisheriger kultureller Werte zerbrechen auch altbewährte Formen des Zusammenlebens. Die Menschen verarmen demzufolge nicht nur äußerlich, auch innerlich werden sie wurzel- und haltlos. Es dürfte kaum einen gesellschaftlichen Übelstand geben, der nicht irgendwie mit der Zinsfrage verknüpft ist. Daraus muß man unabweisbar den Schluß ziehen, daß die Bewältigung der großen Herausforderungen unserer Zeit als wichtigstes die Überwindung des Kapitalismus, d.h. des Renditeunwesens, voraussetzt.

Was ist zu tun? Schlichte Zinsverbote, wie sie in früheren Jahrhunderten üblich waren, stellen freilich keinen Ausweg dar. Das gilt auch für zahlreiche weitere Vorschläge, das Zinsproblem zu lösen. Ein paar grundsätzliche Überlegungen können hier weiterhelfen. Der Zins ist deshalb unentbehrlich, weil er als eine Art Umlaufsantrieb für (erübrigtes) Bargeld und Sichteinlagen (Buchgeld) dient. Der Zins hat aber, wie bereits dargestellt, äußerst zerstörerische Auswirkungen. Selbst als Anreiz, Spargeld längerfristig anzulegen, ist er keineswegs zuverlässig. Das zeigt sich immer dann, wenn der Zins - aus welchen Gründen auch immer - auf eine zu tiefe Stufe absinkt (und wenn zugleich der zweite Geldweitergabe-Ansporn, die einer Peitsche vergleichbare Inflation, sich der Nullgrenze nähert). Dann wird Geld zunehmend aus dem Kreislauf herausgehalten, wird gehortet, entweder als kurzfristige Bankeinlage - oder wortwörtlich in einem Tresor zu Hause. Genau diese Entwicklung hat vor bereits einem Jahrzehnt in Japan eingesetzt. Und eben deshalb gerät dieses Land immer tiefer in eine Deflationskrise hinein. Es geht also darum, für Bar- und Buchgeld statt des Zinses einen besseren Umlaufsantrieb zu finden. Und den gibt es. Der berühmte John Maynard Keynes hat dazu in seinem Hauptwerk Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes den Weg gewiesen. Unter ausdrücklicher Bezugnahme auf die Freiwirtschaftslehre Silvio Gesells (1862-1930) empfiehlt er, auf alles Bargeld eine Umlaufsicherungsgebühr zu erheben, eine Art negativen Zinses. Auf diese Weise nehme man dem Geld seine Hortbarkeit und zwinge es zu einem stetigen Kreislauf durch die Wirtschaft, auch ohne Zinsbelohnung. Er bezeichnet dies als den "vernünftigsten Weg ... um allmählich die verschiedenen anstößigen Formen des Kapitalismus loszuwerden." Obwohl solche Überlegungen in Keynes' Buch viele Seiten füllen, werden sie von den Ökonomieprofessoren weltweit leider mit Nichtachtung gestraft und also öffentlich nicht behandelt. Mehr als dieser kurze Hinweis zum Thema verbessertes Geldrecht ist im beschränkten Rahmen der vorliegenden Abhandlung nicht möglich.

In meinem Buch jedoch - Entmachtung der Hochfinanz.
Demokratie, Frieden, Arbeit für alle, Natur- und Kulturbewahrung sind möglich (Verlag Freiland, ISBN 3-9808689-0-7) - sind der wichtigen Frage einer besseren Währungsordnung 55 Seiten gewidmet.


Weiterführender Link:

Alternativen zum Kapitalismus? Teil 1



Donnerstag, 1. Oktober 2009

Eine Alternative zum Kapitalismus?


Hier beginnen wir eine Reihe zur Betrachtung verschiedener Theorien und Denkansätze zur Überwindung der derzeitigen Wirtschafts- und Systemkrisen. Der folgende Artikel dient als kurze Einführung in die Thematik der Zins- und Bodenproblematik und wird in folgenden Artikeln, zu einzelnen Gesichtspunkten noch ausführlich fortgeführt.


Silvio Gesell und die Freigeldtheorie


Silvio Gesell wurde 1862 in St.Vith in den belgischen Ardennen als Kind aus einer deutsch-argentinischen Ehe geboren. Seine Lehrjahre verbrachte Gesell hauptsächlich in Spanien, dann wanderte er nach Argentinien aus und gründete dort ein florierendes Unternehmen, die „Casa Gesell”. Schließlich lebte er als Hörndlbauer und Bienenzüchter in der Schweiz, 1919 wurde er Finanzminister der Münchner Rateregierung um Eisner und Landauer. Die ersten Freigeldexperimente erlebte er nicht mehr, er starb 1930 nach einer Krankheit.

Die Entstehung der Freigeldtheorie

1887 war Silvio Gesell nach Argentinien ausgewandert, dort gründete er die „Casa Gesell”, eine Kartonagenfabrik. Um 1890 brach in Argentinien eine schwere Wirtschaftskrise aus, die auch Gesell und sein Unternehmen in Schwierigkeiten brachte.Gesell versuchte nun durch Tabellen, Kurven und Notizen zur laufenden Entwicklung der Krise, grundsätzliche Probleme zu lösen:Wie sind Wirtschaftskrisen zu vermeiden? Wie kann Preisstabilität gewährleistet werden? Was ist die Ursache für Inflation?

Die Theorien von Freiland und Freigeld entwickelt Silvio Gesell in seinem Hauptwerk, dem Buch „Die natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld”(1916). Dabei setzt sich Gesell zunächst mit Modellen anderer sozialreformerischer Ansätze auseinander, im Hinblick auf Deutschland und die Sozialdemokratie daher besonders mit Karl Marx. Gesells Ideen jedoch sind maßgeblich beeinflußt von Pierre-Joseph Proudhon, einem französischen Anarchisten des 19.Jahrhunderts.Proudhon hatte das Konzept der Tauschbanken entwickelt, welches vorsah, daß jeder zu diesen gehen konnte und Güter gegen andere Güter oder zinslose Kredite eintauschen konnte.

Gesell sagte, daß Marx Denkfehler vor allem darin liege, daß er Kapital als ein Sachgut ansieht. Marx sieht vor allem im Eigentum das entscheidende Moment von Unterdrückung und Ausbeutung, Proudhon sieht dieses Moment eher im Geld. Wenn, so Gesell, die These von Marx stimmt, so muß, falls ein Haus im Monat Zinsen von DM 1000.- einbringt, die Zinsmenge von 10 Häusern immer DM 10 x 1000.- = 10 000.- einbringen. Gesell sagt: Vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs erlebte Berlin eine Welle kleiner und privater Arbeiterbauprojekte, viele verwirklichten ihren Traum vom Eigenheim.

Schnell startete eine Kampagne in Presse und Öffentlichkeit, die „Baupest und Bauwut”, solle doch so schnell wie möglich gestoppt werden. Die Frage nach dem Warum leuchtet ein, weil der Zins, welche andere, bereits ältere bebaute Grundstücke im Umland einbrachten, sank. Den eindimensionalen Ansatz von Marx kritisiert Gesell und bringt ein, daß Proudhon mit seiner Idee scheiterte, Geld und Waren zur Gleichberechtigung zu verhelfen.Waren können verderben, Geld jedoch nicht. Ist das gerecht, fragt Gesell? Wie kann es sein, daß das Geld seine zu erbringende Leistung einfach verweigern kann? Und ein Gutsbesitzer, der sein Grundstück nicht verpachtet hat trotzdem nicht unbedingt einen Verlust dadurch.

Es ist, so Gesell, völlig gleichgültig, ob ein Arbeiter oder Bauer einen Weinberg am Rhein, ein Feld in Niederbayern oder was auch immer bearbeitet: sein Arbeitsertrag wird geschmälert durch den Pachtzins des Bodenbesitzers. Im äußersten Fall könnte der Bodenbesitzer seinen Bauer nur mit dem Lebensnotwendigsten versorgen, alle Ernte müßte der Bauer abliefern.Dies aber geht nur, wenn kein weiterer Grund und Boden im Umland bewirtschaftet werden kann. Daher ist die Konkurrenz an bewirtschaftbarem Land der Faktor, der die Entlohnung des Bauers bedingt, der also festlegt, was ihm von seinem erarbeiteten Ertrag zukommt. Gesell unterscheidet drei Arten von Freiland:1.Land, das ohne weiteres in Besitz genommen werden kann. Vornehmlich in Übersee, also Land, das so einsam und abgelegen liegt, daß es niemand bewirtschaften will.2. Land, welches für ein geringes Entgelt zu kaufen oder zu pachten ist.

Die dritte Kategorie, Gesell nennt sie „Freiland dritten Grades” ist Land, das durch eine Entwicklung - technisch - wirtschaftlich - wissenschaftlich - besser genutzt werden kann. Zum Beispiel: Die Regierung eines Landes verbietet einen Dünger, angeblich, weil dieser gesundheitschädlich sei, in Wahrheit jedoch, um die Getreidepreise auf hohem Niveau zu halten.

Freiland heißt: Jeder Mensch, egal wo auf dieser Welt, hat das unumstößliche Recht, Boden zu erwerben und zu bewirtschaften.Gesell sagt, der Staat solle allen Boden aufkaufen. Die vormaligen Besitzer werden entschädigt und bezahlt aus dem Pachtzins, der in die Staatskasse fließt. Somit werden die bisherigen Verhältnisse umgekehrt, mit der abgezahlten Schuld und der Geldreform allerdings wird das Modell dann lohnend. Sicher ist ein Risiko in diesem Konzept, da die Schuld zu bezahlen ist, aber mögliche Nachteile durch den Boden (Katastrophen) beim Staat liegen.

Schön, sagt Gesell, und welcher Grundbesitzer hat bisher schon einmal in guten Erntezeiten das zurückbezahlt, was er in Zeiten der Not vom Staat erhalten hat? Mit diesem Ansatz muß dann aber auch der Zins, parallel mit Abtragung der Schuld gegen Null sinken, Gesell rechnete, daß die Staatschuld in zwanzig Jahren abgezahlt werden könnte.

Der Grundbesitz für jeden ist vererbbar oder zumindest durch Vorkaufsrecht gesichert. Pachtverträge zwischen Staat und Bürger regeln Einzelheiten, die Möglichkeit den Wert eines Grundstücks neu einzuschätzen, bleibt offen. Die Lohnentwicklung wird beobachtet und der Pachtzins entsprechend reguliert, außerdem behält sich der Staat die Möglichkeit vor, eventuelle Bauvorhaben, die für die Allgemeinheit von Nutzen sind auf dem jeweiligen Land durchführen zu können (Straße, Eisenbahn, Deichschutz), im Gegenzug deckt der Staat Schäden durch eintretende Naturkatastrophen.


Die Theorie des Freigeldes

Geld ist ein Tauschmittel und nichts anderes, so stellt Gesell zunächst ganz lapidar fest.Als solches muß es drei Kategorien und Aufgaben erfüllen: es muß Sicherung, Beschleunigung und Verbilligung des Warenaustauschs gewährleisten, sonst ist es unbrauchbar.Sicherung heißt, daß es zu keinen Absatzstockungen kommt, daher auch nicht zu Krisen und Arbeitslosigkeit.Beschleunigung heißt, daß die Warenbestände der wenigen Kaufleute gering sind, während die Vorratskammern der Endverbraucher gefüllt sind.Und Verbilligung schließlich heißt, daß die Differenz zwischen dem Ertragspreis und dem Verkaufspreis so gering wie möglich sein sollte. Das Gesellsche Ei des Kolumbus ? Der Schlüssel zum Paradies ?!

Wie gesagt:das Geld kann etwas, was Arbeit und Ware nicht können - es kann seine Leistung verweigern oder zumindest gewinnbringend zurückhalten.Entlohnung ohne Arbeit ist für einen Arbeiter kaum denkbar und Waren, die nicht gekauft werden, müssen schließlich verderben.Gesell sieht ein unmittelbares Problem des Geldes vor allem in der Goldwährung, der Kombination von Geld und Edelmetallen im Allgemeinen.Würde das Geld ebenso verrotten und verderben wie die Waren, so wäre der Volkswirtschaft mehr geholfen, als mit noch so edlen Metallen bei der Geldproduktion.Gesell sieht volkswirtschaftliche Prozesse: ist wenig Geld auf dem Markt zu haben, so zieht sich das Geld immer mehr zurück - ist hingegen zuviel Geld in der Wirtschaft, so wird auch immer mehr Geld in den Markt fließen. Geld, so Gesell muß einem „Umlaufzwang” unterworfen werden, soll demselben Zwang als Nachfrage ausgeliefert sein, wie es andererseits schon immer das Schicksal des Angebots war.

Freigeld heißt: Freigeld wird in Geldscheinen, Gesell nennt sie Zettel, ausgegeben, parallel dazu werden Kleingeldzettel herausgegeben, die ähnlich Briefmarken abzureißen sind.Diese Kleingeldzettel dienen gleichzeitig zur Entwertung des Geldes, denn jeder Geldschein des Freigeldes verliert pro Woche ein Tausendstel seiner Zahlkraft, und zwar zu Lasten des Inhabers. Durch Aufkleben muß der Besitzer des Geldes dieses jede Woche vervollkommnen. Dies beschleunigt den Umlauf des Geldes, so Gesell, denn jeder wird sein Geld so schnell wie möglich loswerden wollen.

Das Münzgeld ist abzuschaffen und wird nach Ablauf einer Übergangsfrist wertlos. An die Stelle der Reichsbank tritt das zu schaffende Reichwährungsamt, welches allerdings keine Bank ist und Bankgeschäfte betreibt, sondern für den Geldverkehr, Zuschuß und Regulierung der Geldmenge zuständig ist.Fehlt Geld, so gibt es Geld heraus, ist zuviel Geld auf dem Markt, so wird Geld einbehalten. Ebenso ist das Reichswährungsamt für den Einzug aller Geldscheine am Jahresende und die Neuausgabe der neuen Scheine im nächsten Jahr verantwortlich. Für Auslandsgeschäfte sollten i.d.R. Wechsel benützt werden, für den Export sind eigene Regelungen mit den Nachbarstaaten zu treffen.

Durch den Geldtauschzwang am Ende des Jahres entstehen dem Staat Mehreinnahmen in Höhe mehrerer Millionen Mark.Dies sind ausschließlich zur neuerlichen Investition zu benutzen.


Folgen des Freigeldes für den Handel:

* unaufhörlicher Geldumlauf, verstärkte Barzahlung
* unbeschränkter Warenabsatz
* weitgehende Verhinderung von Preisstürzen und Kursstürzen, denn:
* Ausschaltung von Börsen-, Spekulations- und Wucherwesen
* Senkung der Handelsunkosten von 30-40% auf 10-15%
* Übergang zum Freihandel, Abbau von Schutzzöllen

Folgen des Freigeldes für Arbeit, Kapital und Lohn:

* Geld büßt seine Zinsfunktion ein und wird Ware und Arbeit gleichgestellt
* Absinken des Mehrwerts (Kapitalzins) bis dieser schließlich verschwindet
* Steigerung der Löhne, sinken der Arbeitslosigkeit
* Erleichterung des Sparens, weil abzuführende Zinslasten entfallen


Freigeld in der Praxis

100 Mark sind am 1.Januar 100 Mark wert, am 31.Dezember jedoch nur noch 95 Mark. Jeder Geldbesitzer wird danach trachten den Verlust des Geldes so rasch wie möglich auf andere abzuwälzen. Die Ausgangslage von Käufer und Verkäufer ist nun gleich.

Und die Sparer? 100 Mark werden zur Bank gebracht und sind am Ende des Jahres noch immer eine Forderung von 100 Mark. Die Menge des Geldes, welches ein Einzelner sparen kann, steigt ebenso kontinuierlich, wie der Zins fällt. Denn nach Reform in Freiland und Freigeld, macht die Zinsanlage wenig Sinn, denn der Zinsfuß fällt stetig. Dass aber heißt wiederrum, daß beispielweise das Wohnen zur Miete günstiger wird: denn der Anteil der Miete für den Bauzins geht zurück. Gesell errechnete, daß der Bauzins als Anteil der Miete jedoch nur ein Viertel aller Zinsen darstellt, die der einzelne Bürger zahlen muß, daher könnte der Arbeitnehmer etwa 64% des Lohns sparen. Wozu also noch Zinsen ?

Freigeldtheorie und Experimente in der Weimarer Zeit

In den wirtschaftlichen Notzeiten der Zwanziger und Dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts gab es zahlreiche Anläufe und Versuche mit Freigeld. Nach Veröffentlichung seines Buches 1916, entdeckten zahllose Menschen die Thesen Silvio Gesells. Es bildeten sich viele verschiedene Gruppen, die die Idee der Freiwirtschaft unter verschiedenen Schwerpunkten verwirklicht sehen wollten.

In der Not der Zwanziger Jahre begann der „Fisiokratische Kampfbund” (FKB) ab 1925 Scheine einer WÄRA-Währung herauszugeben. Bis 1931 waren über 1000 Firmen in über 50 Städten des Reichsgebietes der WÄRA-Aktion angeschlossen, in erster Linie waren dies Handwerksfirmen und Einzelhändler. Eine ähnliche Aktion mit der WARA-Währung machte fast zeitgleich die „Selbsthilfe der Arbeit”(SdA), eine Konkurrenzorganisation des FKB. 1931 verbot der Reichsfinanzminister alle Freigeldversuche.

Das Experiment von Wörgl

Das Jahr 1932 in Wörgl am Inn, in Tirol/Österreich. Wörgl wird von einem sozialdemokratischen Bürgermeister, Michael Unterguggenberger, regiert. Wörgl zählt 4200 Einwohner, im Frühjahr 1932 sind 420 von Ihnen arbeitslos.

Die Wirtschaftskrise hatte Wörgl voll erfaßt, die Gemeinde hatte 1,3 Mio. Schilling Schulden, die Steuereinnahmen sanken. Unterguggenberger hatte Gesells NWO gelesen und machte dem Gemeinderat den Vorschlag ein Notgeld einzuführen, was dieser im Juli 1932 auch tat. Das Notgeld verlor jeden Monat 1% an Wert und mußte von der Gemeinde gestempelt werden, am Jahresende sollte das Geld gegen Neues umgetauscht werden.

Die Gemeinde entlohnte ihre Angestellten und Arbeiter in Arbeitsbestätigungsscheinen. Daher konnten auch die Wörgler Geschäftsleute kaum anders, als die Notgeldscheine zu akzeptieren, obwohl ihnen Schilling lieber gewesen wären. Ihre Umsätze stiegen, obwohl sie sich ärgerten, weil der Umtausch von Notgeld in Schilling mit 2% Abzug „bestraft” wurde.

Die Arbeitslosigkeit sank allerdings und die Einnahmen der Gemeinde stiegen, wenn auch in geringerem Umfang als erhofft. Die Zentralregierung in Wien verbot das Experiment im September 1932.

Wörgl, von Gesellianern als „Beweis, daß Freigeld funktioniert” betrachtet, hatte allerdings einige Fehler, die nicht im Sinne Gesells waren. So war das Notgeld eben keine Ersatzwährung, sondern lediglich Währung neben der Währung. Als solches war ihr Symbol- und Aufbruchscharakter vielleicht wichtiger als alles andere, was über sie gesagt werden kann. Viele Rahmenbestimmungen stimmten einfach nicht: die größten Mehreinnahmen nahm die Gemeinde Wörgl ein über Aufschläge auf Grund-, Gebäude-, Vergnügungs- und Hundesteuer.


Literaturhinweise
Gesell, Silvio: „Die natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld” (NWO) Kurzausgabe 1986, Lauf bei Nürnberg (Rudolf Zitzmann Vlg)
Bartsch, Günter: „Die NWO-Bewegung Silvio Gesells”
1994, Lütjenburg (Gauke Vlg für Sozialökonomie)


Thesen und Ideen Gesells

* Der Staat enteignet allen privaten Bodenbesitz gegen Entschädigung
* Grund und Boden wird für jeden Menschen, je nach Bedürfnis, erschwinglich
* Die Einkommen aus Kapitalzins und Bodenzins entfallen mit der Zeit
* Geld kann die Leistung „verweigern” und besitzt damit einen Vorteil gegenüber
Ware und Arbeit
* Geld verrottet nicht, dies muß aber angestrebt werden
* Geld gibt dem Käufer einen Vorteil gegenüber dem Anbieter, dies muß sich ändern
* Geld muß schneller in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden
* Wer Geld einsperrt, sperrt Arbeiter aus
* Münz- und Edelmetallgeld muß vollständig durch Papiergeld ersetzt werden
* Der Geldfluß muß von einem zu schaffenden Reichswährungsamt verwaltet,
kontrolliert und reguliert werden
* Der gegen Null sinkende Zins ermöglicht „echtes” Sparen
* Durch den regelmäßigen Warenabsatz ist wirtschaftliche Stabilität gewährleistet
und die Arbeitslosigkeit wird erfolgreich bekämpft


Zitate
„Ich glaube, daß die Zukunft mehr vom Geiste Gesells als von jenem von Marx lernen wird.”

John Maynard Keynes

Eine Alternative zum Kapitalismus?

Gesells Theorie ist in ihren Grundzügen ein mehr als annehmbarer Ansatz zur Lösung der derzeitigen Finanzkrisen und Wirtschaftseinbrüche, ein Ausweg aus dem Kapitalismus. Durch den Wegfall des Zinssystemes wird eine Bereicherung einzelner aufgrund des mühelosen Einkommens, durch eben jenen Zins, verhindert und die soziale Auseinanderklaffung der Menschen gemindert. Da die Ausbeutung von Mensch und Natur immer noch nicht überwunden ist, exestiert die verheerende Ballung von Kapital und Macht in den Händen einiger weniger Menschen, diese zeigt sich vor allem in der Globalisierung, einem Symptom des heutigen Turbokapitalismus. Doch eine Geld- und Bodenrechtsverbesserung durchzusetzen, ohne den Volksgedanken zu bejahen ist unmöglich. Die Belange des eigenen Volkes zu missachten, käme einer Kapitulation vor dem menschenfeindlichen Kapitalismus gleich. Die Befreiung aus dem Kapitalismus kann nur erfolgen, wenn der tragende Volksgedanke Hand in Hand mit einer Geld- und Bodenneuregelung einhergeht.

Weiterführender Link:

Alternativen zum Kapitalismus --Teil2--